Veranstaltungen, Termine und Berichte aus dem Jahr 2022

FFFF – Fies-frühe Feiertags-Führung ins LSG Unteres Zipfelbachtal

 

01.05.2022 - Ganze 6 Stunden alt war der Mai dieses Jahres, da gab es auch schon eine NABU LB FFFF. Eine was? Na, eine fies-frühe Feiertagsführung. Ja, zugegeben 6 Uhr ist eine fies frühe Zeit. Vor allem wenn der erste Mai so verhangen weißgrau beginnt wie dieser. Aber eine FFFF ist halt nur was für die ganz Harten. Davon waren immerhin sieben nach Hochdorf gekommen. OK, einer davon war ein Hund, der wahrscheinlich gar nicht gefragt wurde, ob er so früh schon aus dem warmen Körbchen wollte. Ein anderer der NABU LB Chef Frank Handel, der so gesehen auch nicht gefragt wurde. Aber eine Teilnehmerin kam dann doch extra aus Besigheim angereist. Respekt ! 

 

Gemeinsam ging es vom Parkplatz im Ortskern Remseck-Hochdorfs bachabwärts ins Landschaftsschutzgebiet. Ab Hochdorf fließt der Zipfelbach durch ein breites Tal, das einst von einem Seitenlauf des Ur-Neckars geschaffen wurde. Vorbei an der breiten Schneise der derzeit im Bau befindlichen neuen Frischwasserleitung, welche das Tal quert, liefen wir Richtung Neckarmündung. Unterhalb LB-Poppenweiler wechselten wir die Talseite und besuchten das Naturdenkmal Rossberg mit seiner bemerkenswerten Botanik. Pirol und Mauersegler wollten sich noch nicht hören lassen, aber eine erste Nachtigall, Singdrossel, Fitis und Mönchsgrasmücke sangen für uns. Eine Gänsesägerin, welche vielleicht in den Baumhöhlen des Zipfelbachtals unweit des Neckars brütet, flog über uns hinweg.

 

Die weiten Wiesen der Bachaue sind aufgrund regelmäßiger Düngung leider erschreckend artenarm. Außer ein bis zwei Gräsern, Ampfer, Hahnenfuß und Spitzwegerich ist auf Kilometern kaum eine Blühpflanze zu finden. Und dadurch auch keine Insekten. Erst in den schmalen Ecken am Bachrand, wo der Traktor nicht hinkommt und am Naturdenkmal (ND) Rossberg gab es wieder verschiedenste Blühpflanzen, Schnecken und Insekten zu sehen. Turm- und Heideschnecken, Blutzikaden, Ähriger Ehrenpreis, Stengelumfassendes Hellerkraut, Pimpinelle und die hübschen Blüten des Feldsalats waren darunter.

 

Bachaufwärts ging es zurück Richtung Hochdorf. Auch hier „schön grüne“ artenarme Wiesen. Kein Schmetterling, keine Wildbiene war zu sehen. Kaum einmal mehr das früher so häufige rosa Wiesenschaumkraut oder lila Wiesenstorchschnabel sind zu finden. Wo sollen hier Falter und Bienen Nektarquellen finden? Und wo deren Larven Futterpflanzen?

 

Um zu beweisen, dass jeder von uns im eigenen Garten oder Balkon einen kleinen Teil zu größerer Vielfalt beitragen kann, gab es noch eine Führung im Zimmermannschen Naturgarten nahe des Zipfelbachs. Neben Gemüsebeeten und hitzeverträglichen klimawandel-tauglichen Mittelmeerpflanzen, gab es hier klassische Bauerngartenpflanzen und zahlreiche heimische Stauden. Eine Insektenwiese bietet mit u.a. Dost, Flockenblumen, Seifenkraut, Leimkraut, Glockenblumen, Günsel, Margeriten, Wegwarte, Wiesenschlüsselblumen und Gräsern bis in den Herbst Vielfalt für zahllose Insekten. Totholzhaufen und Baumstümpfe sind Habitate für holzbewohnende Käfer und deren Larven. Gedüngt wird im torffreien Naturgarten natürlich ausschließlich mit Hornspänen, Gries oder dem, mit freundlicher Unterstützung der beiden Zwergkaninchen Birka & Baldrian, produzierten Komposterde.

 

Da Wasser in jeden Garten gehört, gibt es neben zwei Gartenteichen, verschiedene Topfteiche für Libellenlarven und Wasserinsekten. Auch Steinhaufen, Natursteinmauern und Gartenkunst dürfen nicht fehlen.

 

Kaffee und Selbstgebackenes unter dem Haselstrauch bildeten die Belohnung für das frühe Aufstehen der besonders harten FFFF-Teilnehmer. Danke für eure Teilnahme und die Spenden. Es hat wieder einmal großen Spaß gemacht. Auch wenn 6 Uhr schon echt fies früh ist.

 

Beobachtungen unter

 

https://www.naturgucker.de/natur.dll/JqzMxEAZdTr9IRnaUg9vohJep0u/

 

https://www.naturgucker.de/natur.dll/V68Aj9WpsWD3qjDfIpetyiGu8di/

 

Fotos: C. Zimmermann, F. Handel

Bericht: C. Zimmermann 


Goldammer, Foto: K. Gaus
Goldammer, Foto: K. Gaus

NABU LB Zugwiesen-Führung mit Konrad Gaus

 

„Der April, der April...“ machte an diesem 10.04. tatsächlich was er wollte. Schneeregen, Regen, Sonne, Wolken … im Minutenwechsel.

 

Zum Glück aber nicht während der NABU Führung.

 

Der anfängliche Sonnenschein wich zwar bald zunehmender Bewölkung und kühlem Wind konnte den 9 Teilnehmern die Lust auf Naturbeobachtung aber nicht vermiesen. Den Singvögeln war die Sangeslust allerdings etwas vergangen.

 

Außer einem Zilpzalp, Mönchsgrasmücken, Stieglitzen und einem rufenden Grünspecht wolle sich niemand zu Wort melden. Schade.

 

Zu sehen gab es allerdings dann doch so Einiges. Von Konrad Gaus gewohnt souverän präsentiert gab es an der Schleuse Gebirgsstelzen mit Nistmaterial zu entdecken, umherfliegende Beutelmeisen, Eisvogel, Rot- und Schwarzmilan bei der Futtersuche über den Zugwiesen.

 

Noch können auch Winter- und Zuggäste wie Löffel-, Knäk- und Pfeifente beobachtet werden.

 

Natürlich wurde das Spektiv auch auf Uhu eingestellt. Uhubeobachtung, störungsfrei und somit ohne Gefährdung der Brut, das geht nur hier. Vom anderen Neckarufer konnten wir bequem zum Neststandort blicken und entdeckten dort die Uhumutter mit mindestens einem Jungen.

 

Weniger schön war die Entdeckung eines schlafenden Waschbären in der Nähe des langjährigen Wanderfalkenhorstes in den Weinbergen. Die in der Bevölkerung so beliebten „niedlichen“ Tiere sind für die heimische Vogel- Amphibien- und Kleintierwelt eine Katastrophe. Können sie doch bestens klettern, kommen meist zu mehreren und fressen so ziemlich alles.

 

Mit dem Nutria zeigte sich ein weiterer exotischer Neubürger. Der Biber hingegen ist nicht nur heimisch, sondern auch heimlich und ließ sich nur anhand nächtlicher Fraßreste in Form gefällter und geschälter Bäume belegen.

 

Hoffnung auf besseres Frühlingswetter machten die Schwärme von Mehl- und Rauchschwalben, die mit jedem Sonnenstrahl „schwätzend“ über den Turmsee flatterten.

 

Beobachtungen unter www.naturgucker.de

 

Bericht: C. Zimmermann,

Fotos: S. Beyer, C. Zimmermann, F. Handel


Vorfrühling im Reuthau am Lemberg

 

13.03.2022 - 12 Teilnehmer konnte die Naturschutzwartin Carolin Zimmermann zur NABU Führung am Lemberg begrüßen. Leider fehlte der Marbacher Teil des Führungsteams. Dr. Ruge musste krankheitsbedingt leider absagen.

 

Das überaus schöne Frühlingswetter bescherte uns Sonne und die ersten Frühblüher wie Buschwindröschen und Scharbockskraut. Der eben erst aus Afrika zurückgekehrte Zilpzalp ließ sich hören und auch der rote Milan schaute vorbei. Hohl- und Ringeltauben riefen und ein Star bewies was für ein guter Imitator er doch ist. Den Milan ahmte er ebenso gut nach, wie einen Pirol. Wir ließen uns aber nur kurz täuschen. Denn der Pirol kommt erst im Mai aus seinem Winterquartier zurück.

 

Leider war deutlich zu sehen, dass Regen fehlt. Die Erde im Wald und auf den Feldern war staubtrocken. Die für Amphibien als Laichmöglichkeiten so wichtigen Forstfahrspuren sind nahezu ausgetrocknet. Es gab nur sehr wenige feuchte Stellen.

 

Inzwischen sind Vertiefungen entlang eines unbefestigten Weges in Absprache mit Forst BW mittels Holzstickeln und plastikfreiem Absperrband eingezäunt worden. Zu viele, uneinsichtige Mountainbiker preschten zu Coronazeiten rücksichtslos über die feuchten Schlammpisten, trugen Wasser, Laich und Larven aus den Fahrspuren und töteten die leicht zu übersehenden Molche, Frösche und Kröten. Vom Forst BW aufgestellte Hinweisschilder weisen nun vor Ort auf die Problematik hin.

 

Nun kann nur auf die Rücksichtnahme der Sportler gehofft werden.

 

Nach den sehnsüchtig erwarteten Regenfällen, mit denen bei uns am Dienstag nach der Führung zu rechnen ist, könnten die Fahrspuren zu Kinderzimmern für kleine Amphibien werden.

 

Eine weitere Bedrohung für die ohnehin von Klimawandel und Artensterben bedrohten Amphibien ist die Sanierung der Deponie am Lemberg. Die Deponiekuppe ist inzwischen baumfrei und soll in den nächsten Jahren saniert werden. Gerüchte vom Bau einer weiteren Straße, ausgerechnet im ökologisch bedeutenden Reuthau zur Anfahrt der LKWs lösten Entsetzen unter Naturschützern und Anwohnern aus.

 

Gibt es doch nach wie vor ausreichend befestigte Betonwege, auf denen noch vor Jahren der tägliche LKW-Verkehr der Deponie problemlos verkehrte. Inzwischen gab es erste Gespräche zwischen den Planern der AVL, Forst BW, Naturschutzwarten und NABU. Die Untere Naturschutzbehörde des LRA wurde informiert.

 

Das betroffene Gebiet ist Staatswald und besonders reich an alten Eichen auf feuchtem Grund. Hier lebt der nur regional häufige Mittelspecht, Misteldrossel, Schwanzmeise und Gartenbaumläufer, brüten seltene Hohltauben in alten Schwarzspechthöhlen und leben Feuersalamander, Bergmolch, Erdkröte und Grasfrosch.

 

In Zeiten eines umfassenden Artensterbens kann und darf es darum nicht sein, dass bei Vorhandensein alternativer Möglichkeiten der Streckenführung über den Neubau oder Verbreiterung von Straßen auch nur nachgedacht wird. Hier waren sich die Teilnehmer völlig einig. Unverständnis gab es darüber, dass solche Pläne der Öffentlichkeit nicht von vornherein bekannt gemacht wurden.

 

Bericht C. Zimmermann

Fotos: C. Zimmermann, F. Handel


Zugwiesen- und Froschgraben-Pflege am 12.02.22

 

15.02.2022 - Knackige Frosttemperaturen und Nebel empfingen die „Pflegewilligen“ in den Zugwiesen. Dennoch fanden sich gut 20 Teilnehmer aller Altersklassen ein, um die Zugwiesen wieder einmal von Müll und Treibgut und bestimmte Uferbereiche von Bewuchs zu befreien.

 

Um diese Flächen zu ermitteln, findet einmal jährlich im Herbst eine Begehung mit dem NABU LB, Naturschutzwarten, Zugwiesenguides und dem städtischen Grünflächenamt statt. Nach Absprache werden dann die groben Arbeiten durch Landwirte maschinell vorgenommen, während der NABU alljährlich Mitte Februar von Hand zur Arbeit schreitet.

 

Würde man die Zugwiesen völlig sich selbst überlassen, wäre bald alles dicht bewaldet. Gerade aber die offenen Uferbereiche und Schlammflächen sind für viele Tier- und Pflanzenarten besonders wichtig. Wir Menschen übernehmen nun die Arbeit, die einst der Neckar durch Hochwasser und Sturmfluten selbst erledigte. Bevor der Mensch eingriff hielten in den ursprünglichen Flussauen Europas Wisente, Auerochsen und Hirsche Teile der Vegetation kurz. Biber modellierten die Landschaft und schufen so Laichmöglichkeiten und Brutstätten für zahllose Tiere.

 

Heute gibt es in den Flussauen fast nur noch Industriegebiete und Siedlungen. Die Zugwiesen bieten da eine vorbildliche Ausnahme. Vorausgesetzt man überlässt sie nicht sich selbst.

 

Danke an alle Helfer!

Zeitgleich zur Pflege der Zugwiesen fanden unweit der Burg Hoheneck hoch über dem Neckar ebenfalls Pflegemaßnahmen statt. Das Biotop Froschlache inmitten der Weinberge wurde von Müll befreit und die Kopfweiden beschnitten. Die Mitglieder des Bürgervereins Hoheneck, welche sich sonst sehr in der Pflege engagieren fielen dieses Jahr wegen Erkrankung leider aus. Erfreulicherweise kamen dennoch 5 Helfer, um Herrn Schlecht & Herrn Leitzbach vom Grünflächenamt zur Hand zu gehen.

 

Der Weiher in den Wengerten ist ein wichtiges Laichbiotop für Frösche, Kröten und Molche. Selbst die seltene Rote Liste-Art Wechselkröte lebt in den Hohenecker Weinbergen und kann gelegentlich hier beobachtet werden. Ohne regelmäßige Pflege würde aber auch dieses Biotop zuwachsen und an Wert verlieren.

 

Schön, dass es auch hier, diesmal gleich 3 neue Helfer gab, die trotz Kälte und Nebel früh aufstanden, spontan zu Schere und Leiter griffen und mithalfen! Danke!

 

Danke auch an die Stadt LB für Geräte, Schnittgutabholung und Brezeln!

 

Ohne Buddrbrezla goht halt nix!

Anmerkung:

 

Bei dem Gerücht der NABU LB hätte in den Zugwiesen eine nicht zugelassene Booster-Impfaktion mittels Schluckimpfung vorgenommen handelt es sich um Fake News! Siehe Foto!

 

Bericht: C. Zimmermann

Fotos: C. Zimmermann u. F. Handel