Bäume und Baumschutz in Ludwigsburg

N e u e   S e i t e   i m   A u f b a u


Stadtbäume und Allenbäume

Abgestorbene Kastanien sind keine Seltenheit mehr (01.08.2020)
Abgestorbene Kastanien sind keine Seltenheit mehr (01.08.2020)

Unsere Stadt- und Alleenbäume verschönern nicht nur das Stadtbild, sie tragen wesentlich dazu bei die Luftqualität und das städtische Kleinklima zu verbessern. Sie sorgen für mehr Sauerstoff, regenerieren die Luft, sorgen für Luftfeuchtigkeit und spenden zudem Schatten. Ein großkroniger Baum produziert an einem Tag etwa 9400 Liter Sauerstoff und regeneriert ca. 42000 Liter Luft. Unsere Stadtbäume erfüllen wichtige lufthygienische Funktionen. Dies ist gerade an den Standorten wichtig, denn durch den Straßenverkehr werden das ganze Jahr über schädliche Emissionen und Hitze verursacht.

 

Abgase, Sonne, Trockenheit und Platznot setzen den Stadtbäumen gehörig zu

 

Doch die für uns so wichtigen Bäume sind einer Vielzahl von negativen Umwelteinflüssen ausgesetzt. Feinstaub, Schwefeldioxid, Stickoxid und Ozon schädigen nicht nur unsere Gesundheit, sondern auch die der Stadtbäume. Winterliches Streusalz, Hunde-Urin und stark versiegelte Böden erweitern die Palette der Stressfaktoren. Zudem wird das Erdreich durch die, vom motorisierten Verkehr verursachten, ständigen Vibrationen hoch verdichtet. Die Abwärme bzw. Abstrahlung von den Straßenflächen, den Häusern und insbesondere die Reflektion von Glasfassaden tragen dazu bei, dass die Bäume vermehrt unter Stress leiden. In der Stadt fehlt der natürliche Sonnenschutz, denn die Bäume werden aufgeastet. Sind zusätzlich Stammwunden oder Schädigungen durch falschen Baumschnitt vorhanden können Pilze und Krankheitserreger eindringen, auch Schädlinge haben hier oft leichtes Spiel. Der Baum ist angeschlagen und stirbt ab.

 

Die Vitalität der Stadtbäume ist durch Temperaturanstieg und Trockenheit nochmals angegriffen

 

Hauptkriterium für ein gesundes Wachstum ist die Größe des Baumbeetes. Im Wald wachsen Bäume auf frischem, feuchtem, nähr- und sauerstoffreichem Boden. Der natürliche Kreislauf ist mit Blattwurf, Humusbildung und einer Vielzahl von Bodenlebewesen gegeben. Um die Lebensbedingungen zu verbessern bedarf es der Vergrößerung der Baumbeete. Ein optimales Baumbeet sollte für den Wurzelraum eine Größe von 25 Quadratmeter auf anderthalb Metern Tiefe aufweisen. Baumgräben entlang von Straßen erfüllen mit einer Mindestbreite von drei Metern die erforderlichen Vorgaben. Flankiert werden die Maßnahmen mit der Erhöhung der Wasserdurchlässigkeit der Gehwege. Hierbei werden der Gehwegbelag sowie die Tragschicht komplett entfernt. Durch den Einbau einer wasserdurchlässigen Schottertragschicht und eines Sickerpflasters gelangt zukünftig das Regenwasser direkt zu den Bäumen. Die Wurzeln können in tiefere Schichten vordringen. So werden Schädigungen der Bodenbeläge durch Wurzeln vorgebeugt. Das Oberflächenwasser versickert und belastet nicht die Kanalisation. Des Weiteren ist auf eine Randsteineinfassung zu verzichten, die verhindert, dass Regenwasser in das Beet fließen kann. 

Baum- und Beeteinfassungen helfen schädliche Einflüsse vom Stamm und Wurzelraum fern zu halten. Das sind insbesondere die Lagerung und Anlehnung von Baumaterial oder das Abstellen von Pkws und Fahrädern. Der für den Baum gefährliche Hundurin lässt sich schwer verhindern. Ein innerer Ring, der auch als Rindenschutz beim Mähen dient, kann direkte Schäden am Stammfuß eindämmen. Hundebesitzer sind aufgerufen die Baumbeete mit ihren Hunden zu meiden. Vielen Dank.


Bäume im Wald

Naturschutzgebiet Favoritepark (08.05.2011)
Naturschutzgebiet Favoritepark (08.05.2011)

Die globale Erwärmung und mit ihr die veränderten klimatischen Bedingungen haben unsere Wälder längst erreicht. Trockenheit, Schädlingsbefall und Wetterextreme zerstören gerade dort, wo lange Jahre auf Monokulturen gesetzt wurde.

 

Nun trifft es aber auch scheinbar intakte Mischwälder. Mehrere trockene Jahre hinterlassen auch in unseren Wäldern deutliche Spuren. Im waldärmsten Landkreis Baden-Württembergs und speziell in der Stadt Ludwigsburg können sich die Waldstücke nicht gegenseitig schützen, sie sind der Umgebungstemperatur der städtischen Siedlungsbereiche ausgesetzt. Hier liegt die Temperatur nochmals deutlich über der freien Landschaft.

 

Der Holzeinschlag, der selbst im Naturschutzgebiet Favoritepark vorhanden ist, muss ganz ausgesetzt werden. Schwere Maschinen verdichten das Erdreich und vermindern die Funktion Wasser aufzunehmen und zu speichern. Werden Bäume entnommen sinkt langfristig der Humusanteil. Die Vitalität des Waldes wird nochmals geschwächt. Die Humusbildung muss langfristig verbessert und gesichert werden.

 

Die Naturverjüngung gilt allgemein als Antwort auf die veränderten klimatischen Bedingungen, denn nur die jungen Pflanzen, die sich nach mehreren Trockensommern durchsetzen können haben Voraussetzungen weitere Veränderungen zu überleben. Zudem suchen sich die Pflanzen den besten Standort selbst aus. Das Ausbringen gebietsfremder Arten muss wissenschaftlich begleitet werden, denn diese Bäume sollen sich in das biologische Gleichgewicht integrieren lassen, also auch von der heimischen Tier- und Pflanzenwelt als Lebensraum angenommen werden. Für die Forstwirtschaft kann es Sinn machen auf neue hitzeresistente Sorten zu setzten. Im Stadtgebiet kann bzw. sollte darauf verzichtet werden. 


Bäume in Hausgärten

Hinter einem alten Kirschbaum verschwindet das Nachbarhaus
Hinter einem alten Kirschbaum verschwindet das Nachbarhaus

Auch am Wohnhaus spenden Bäume Schatten und schützen vor Lärm, Abgasen und Wind. Im Frühjahr erfreuen wir uns an einer farbenfrohen Blütenpracht und im Sommer die Kühle unter einem grünen Blätterdach. Haben wir einen Obstbaum gepflanzt, dann dürfen wir die Früchte genießen. Ist der Baum schön groß dann können wir uns hinter ihm vor neugierigen Blicken verstecken. Bäume produzieren lebenswichtigen Sauerstoff, verdunsten Feuchtigkeit und begünstigen auch das Kleinklima im Garten.

 

Viele heimische Baumarten eignen sich gut für den Garten, darunter Vogelkirsche, Linde oder Holzapfel. Freistehend kommen sie am besten zur Geltung. Kräftige Stämme bieten Hängematten einen sicheren Halt. Kombiniert mit Sträuchern entstehen lauschige Ruheplätze – ein Kleinod für den Menschen, Nahrung und Unterschlupf für viele Tierarten. Bevor der Baum gepflanzt wird, sollte bedacht werden, dass sich der zierliche Setzling je nach Art in einigen Jahren zu einem großen und Raum einnehmenden Gehölz entwickeln kann. Auch die Abstände zum Haus oder Mauern sollten groß genug sein.

 


Baumschutzsatzung und Förderprogramm

29.07.2021 - Am 28ten Juli 2021 stimmte der Gemeinderat mit großer Mehrheit dem Entwurf einer Baumschutzsatzung sowie dem Entwurf zum Förderprogramm für ortsbildprägende Bäume zu. Das Verfahren geht nun in die Beteiligung und wird danach nochmals im Gemeinderat behandelt. Geplant ist der Beschluss zum 1ten Oktober 2021.

 

Es ist wichtig große Bäume zu schützen, denn diese speichern viel Kohlendioxid, spenden Schatten und reinigen die Luft. Sie bieten vielen Insekten- und Tierarten einen Lebensraum und Nahrungsquelle. Insbesondere unsere Gartenvögel freuen sich über einen großen Baum bestenfalls mit einem Nistkasten.

 

Im Hinblick auf die globale Erwärmung können Bäume die Temperatur signifikant um bis zu 8 Grad senken. Sie sind damit nicht nur eine CO2-Senke, sondern auch für die Klimaanpassung äußerst relevant. Zudem senken sie die Regenmenge, in dem sie den Regen abbremsen und zeitlich strecken, auch die Gesamtmenge durch Verdunstung verringert sich. Besonders bei Starkregen hilft dies das Risiko von Überflutungen zu minimieren.

 

Mit dem Baumschutz soll ein Förderprogramm für die Baumpflege und Baumerhalt für ortsbildprägende Bäume aufgelegt werden. Eigentümer werden finanziell unterstützt und können Zuschüsse zu Pflegemaßnahmen beantragen.

 

Die Satzung hilft Nachbarschaftsstreitigkeiten zu verhindern, denn es regelt endlich eindeutig ob ein Baum weg muss oder nicht.

 

Eckpunkte einer Baumschutzsatzung:

 

Bestandserhaltung von Bäumen

- zur Sicherstellung eines ausgewogenen Stadtklimas,

- zur Erhaltung von Lebensstätten der Tier- und Pflanzenwelt,

- zur Belebung, Gliederung und Pflege des Orts- und Landschaftsbildes.

 

Bäume mit einem Durchmesser von 80 oder 100 cm, gemessen 100 cm über dem Boden, sollen geschützt werden.

 

Ausnahmen gelten bei Verkehrssicherungspflicht und Gefahrenabwehr.